Vom europäischen Politikfeld zu den Frontlinien der globalen Cybersicherheit: Der Januar 2026 war ein brutaler Monat für internetfähige Geräte. Bedrohungsakteure starten automatisierte Angriffe auf IoT-Geräte in einem alarmierenden Tempo, und die Ziele haben sich weit über einfache Verbrauchergeräte hinaus ausgedehnt. Wir beobachten eine massive Verlagerung hin zur Kompromittierung von Edge-Geräten und Kerninfrastrukturen von Unternehmen.
Das RondoDox Botnet und HPE OneView
Anfang Januar 2026 identifizierten Sicherheitsforscher eine aktive, groß angelegte Ausbeutungskampagne, die auf CVE-2025-37164 abzielte, eine kritische, nicht authentifizierte Remote Code Execution-Schwachstelle in HPE OneView. Zur Veranschaulichung: OneView ist eine zentralisierte Infrastrukturmanagement-Plattform, die in Unternehmensrechenzentren intensiv genutzt wird.
Die Angriffe wurden vom neu entdeckten RondoDox Botnet angetrieben, das am 7. Januar innerhalb eines engen Vier-Stunden-Fensters über 40.000 automatisierte Angriffsversuche startete. Die Ziele waren nicht zufällig; sie konzentrierten sich stark auf Regierungs-, Finanzdienstleistungs- und industrielle Fertigungsunternehmen. RondoDox beweist, dass sich moderne IoT-Botnets weiterentwickeln. Sie kapern nicht länger nur intelligente Kühlschränke, um Belästigungsangriffe zu starten; sie jagen aktiv nach Management-Plattformen, die Unternehmensserver-Racks und Speicher-Arrays steuern.
Der 15,7 Tbps Azure-Angriff und das Aisuru Botnet
Während die Unternehmensinfrastruktur angegriffen wird, werden Verbrauchergeräte weiterhin in beispiellosem Ausmaß als Waffen eingesetzt. Erst vor wenigen Wochen absorbierte Microsoft Azure einen der größten jemals verzeichneten Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffe. Der Multi-Vektor-Angriff erreichte einen atemberaubenden Spitzenwert von 15,72 Tbps und 3,64 Milliarden Paketen pro Sekunde.
Die Quelle dieses massiven Datenverkehrsanstiegs? Das Aisuru IoT-Botnet. Aisuru rekrutierte weltweit erfolgreich über 500.000 kompromittierte Heimrouter, Überwachungskameras und DVRs. Da Edge-Geräte wie Router und IP-Kameras von Verbrauchern selten aktualisiert werden und häufig außerhalb traditioneller Sicherheitsperimeter liegen, bieten sie Bedrohungsakteuren einen nahezu unbegrenzten Pool an hochbandbreitigen Knoten zur Kompromittierung.
Die sich erweiternde Angriffsfläche
Die Bedrohungslandschaft 2026 ist stark durch die schiere Menge unmanaged Devices geprägt. Jüngste Branchenberichte zeigen, dass Router und Switches im Durchschnitt über 30 Schwachstellen pro Gerät aufweisen und einen massiven Prozentsatz kritischer Risiken in Unternehmensnetzwerken ausmachen.
Gängige IoT-Angriffsvektoren im Jahr 2026 umfassen:
- Nicht authentifizierte Remote Code Execution (RCE): Ausnutzung fehlerhafter Firmware zur Ausführung bösartigen Codes ohne Anmeldeinformationen.
- Credential Brute-Forcing: Verwendung automatisierter Skripte zum Erraten von Standard- oder schwachen Administratorpasswörtern auf exponierten Telnet- oder SSH-Ports.
- Supply Chain Infiltration: Kompromittierung von Drittanbieterbibliotheken, die in die Gerätefirmware integriert sind.
- Man-in-the-Middle (MitM) Datenabfangen: Abfangen unverschlüsselter Klartext-Telemetriedaten von IoT-Sensoren zu Cloud-Plattformen.
Die Abwehr erfordert eine architektonische Neuausrichtung. Unternehmen müssen sich einer kontinuierlichen, passiven Geräteerkennung zuwenden, um ein genaues Inventar dessen zu führen, was sich tatsächlich in ihrem Netzwerk befindet. Netzwerksegmentierung ist keine Option mehr – IoT-Geräte müssen strikt von kritischen IT-Systemen isoliert werden, und der ausgehende Datenverkehr von diesen Geräten muss strengstens überprüft werden.